Durch den Supermarkt REWE ist die Diskussion Plastiktüte vs. Stoffbeutel wieder in das Bewusstsein vieler Menschen gelangt. Die Reaktionen fallen sowohl positiv, als auch kritisch aus. Ein Stoffbeutel ist nämlich nicht zwingend ökologischer, der richtige Umgang macht es aus!

Keine kostenlosen Tüten mehr

Die Drogeriemarkt-Kette DM hat schon im März 2015 die kleinen kostenlosen Plastiktütchen an der Kasse abgeschafft und ist dabei sowohl auf Zuspruch, als auch auf Verärgerung bei seinen Kunden gestoßen. Auch bei der Handelskette Müller gibt es seit Anfang 2015 keine kostenlosen Tüten mehr sowie bei den meisten Filialen der Elektronik-Kette Saturn. Seit Anfang 2016 verzichten außerdem Kaffee-Discounter Tschibo und Modekette Karstadt auf Gratis-Tüten.

Plastik? Nein, danke!

Einen entscheidenden Schritt machte aber der Textildiscounter Kik, der seit 1. Oktober 2015 gar keine Plastiktüten mehr anbietet. Er verkauft stattdessen Baumwolltaschen und PET-Permanenttragetaschen. Dem hat sich vor kurzem die Supermarktkette Rewe angeschlossen. Noch bis Juli sollen Restbestände verkauft werden, dann aber sollen sie endgültig aus den Märkten verschwinden. Für Aldi und Edeka bestehen bereits Petitionen.

Sehr lobenswert, denn hinter jeder Tüte verbergen sich Bäume, Erdöl, Kohle, Mineralien, Pflanzen, Chemikalien, Luft, Wasser, Boden, Aluminium, Erdgas, Harze, Farbstoffe, usw.

Alternativen zur Plastiktüte

Wenn man die gängigsten Alternativen (Bioplastiktüte, Papiertüte und Baumwolltragetasche) betrachtet, zeigt sich schnell, dass diese nicht in jedem Fall ökologisch sinnvoller sind.

Bioplastiktüte

Für die Bioplastiktüte gibt es keine festgelegten Vorgaben, wie z.B. bei Bio-Produkten im Bereich Ernährung. Sie bestehen entweder aus Kunstoffen, die vollständig, oder teilweise auf Basis nachwachsender Rohstoffe produziert wurden und können biologisch abbaubar sein, müssen es aber nicht. Oder sie bestehen aus Kunststoffen, die biologisch abbaubar sind, basieren aber auf Erdöl (Nabu). Sowohl im einen, als auch im anderen Fall, stellen sie keine besonders gute Alternative zu den „normalen“ Plastiktüten dar.

Papiertüte

Für die Herstellung wird Zellulose benötigt, was sehr viel Energie und Wasser verbraucht. Deshalb muss eine Papiertüte mindestens dreimal verwendet werden, um eine bessere ökologische Bilanz zu erreichen. Ein Vorteil liegt zwar in ihrer sehr guten biologischen Abbaubarkeit, hängt aber auch davon ab, ob die Tüte bedruckt, oder gebleicht wurde. Denn so gelangen wiederum giftige Stoffe in die Umwelt. Außerdem ist sie häufig nicht sehr widerstandsfähig und erreicht selten die 3-malige Verwendung.

Baumwolltragetasche

Bei der Produktion von Baumwolle werden Pestizide eingesetzt und sehr viel Wasser verbraucht. Deshalb muss eine Tasche aus konventioneller Herstellung über hundertmal und eine aus kontrolliert ökologischer Produktion mindestens 30 mal verwendet werden, um die Bilanz wieder auszugleichen.

Vorteil der Baumwolltasche

Bei all den Zahlen wird ein Fakt aber gerne vergessen: Eine Plastiktüte hält mehrere hundert Jahre und man ist sich nicht sicher, ob sie überhaupt jemals vollständig abgebaut wird. Tiere nehmen sie unabsichtlich oder fälschlicherweise als Nahrung auf und verhungern, weil das Plastik ihren Magen verstopft. Oder Meerestiere verfangen sich in den über 500 Millionen Tonnen Plastik, das im Meer schwimmt und erleiden so einen qualvollen Tod. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) warnt, dass die Vermüllung der Weltmeere (vor allem durch Plastik) alle Regionen der Welt betrifft und negative Folgen für die Artenvielfalt, die Fischerei und die Wirtschaft hat (UNRIC).

Dazu kommt, dass die Wenigsten eine Stofftragetasche gleich nach dem Verwenden wegschmeißen. Sie ist oft ständiger Begleiter und erreicht dadurch locker die benötigte Anzahl an Einsätzen. Wenn sie nass wird, kann man sie trocknen und ohne Probleme wiederverwenden, wenn sie schmutzig wird, kann man sie waschen. Wichtig ist jedoch, dass man sie nicht daheim im Schrank verstaut und dann bei den nächsten Einkäufen aus schlechtem Gewissen immer wieder eine neue Stofftasche kauft.

Selbst wenn man sich nicht sonderlich für Umwelt, Flora und Fauna interessiert, sollte man sich eines überlegen: Möchten man wirklich immer wieder dafür bezahlen, dass man für ein Unternehmen Werbung machen darf? Kein Unternehmen lässt sich nämlich die Gelegenheit entgehen, ihr Logo auf die Plastiktüten drucken zu lassen.

 

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) schlägt ein paar Faustregeln für den Alltag vor:

  1. Plastiktüten vermeiden: Immer eigene Taschen, Rucksäcke und alte Tüten mitnehmen.
  2. Wenn doch mal eine Einwegtüte nötig war – egal ob aus Plastik oder Papier: die Tüte so oft wie möglich wieder benutzen.
  3. Erst wenn zu dreckig oder kaputt: Plastiktüte als Müllbeutel für den Gelbe-Tonne-Abfall nutzen.
  4. Ganz gleich welches Material: Keine Tüten- oder Beutelberge anhäufen. Auch Papiertüten und Baumwollbeutel sind ökologisch nicht besser als Plastiktüten, wenn sie nicht mehrfach genutzt werden.