„Die Gläubigen sollten nicht durch aufwändige Bauten verärgert werden.“ , so hieß es in den Richtlinien zur Gestaltung der Kirchen bei den Dominikanern und Franziskanern. In 1228 und 1258 erschienen genauere Anweisungen. Grundriss und Bautypus der Kirchen waren den Konventen freigestellt, jedoch Einschränkungen zum Aufriss. So durften nur Chor und Sakristei gewölbt werden und die Kirche sollte nicht höher als etwa 11,5 m sein, was jedoch oft missachtet wurde.

Scheunenarchitektur

Dominik Kirche Scheune Bild 1

Die erlassene Regel gegen die Baulust lässt folgende Bautypen und Vorschriften vermuten. Scheunenarchitektur (Bild 1), Predigerhallen (Bild 2) und Reduktionsbauten. Die Reduktionsbauten äußern sich im Wegfall des Chorumganges und der dem Umgang oft als Kapellenkranz angeordnete Chorkapellen, sowie Verzicht auf Glockentürme. Verzichtet wurde auch auf bildhafte Ausstattung, üppige Bauplastik und Gewölbe mit Ausnahme des Chorraums. Die Orientierung am aktuellen gotischen Stil erfolgte in reduzierter Formensprache, somit keine zergliederte Vertikalität mit Bauschmuck, sondern karge Außengliederung mit glatten Strebepfeilern (Bild 3).

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Reduktionsgotik

Demnach hatte auch Dehio die deutsche Architektur des 13. Jh. als „Reduktionsgotik“ beschrieben und bei den Bettelordenkirchen ein Beispiel der Reduktion gesehen, wobei er die Regensburger Dominikanerkirche als „qualitätsvollste Vertreterin“ sah (Bild 4). Für die Regensburger Bettelordenkirchen ist jedoch auch die Anlehnung an örtliche Bauten, sowie des zu beachtenden Prozesses der Umbildung romanischer Grundstrukturen also eine Transformation, entschei-dend. So bilden die Bettelordenkirchen trotz der vielfältigen Erscheinungsweise, ihrer räumlichen und zeitlichen Evolution, einen eigenen Typus in der gotischen Architektur. Es sind die Kirchen der Franziskaner und Dominikaner, deren Bauprogramm dem Armutsideal entsprechend von Askese und Bedürfnislosigkeit geprägt ist.

Chor der Dominikanerkirche

Bettelorden

Die Bettelorden schufen durch Übernahme der verschiedenen Raumformen und Typen, der Adaption herkömmlicher Sakralbauten eine Vielzahl neuer architektonischer Synthesen. Insgesamt gesehen begegnet uns eine große Varietät in der Einzelgestaltung, jedoch wird man einzelne von Kunsthistorikern aufgezeigte Merkmale der Bettelordenkirchen finden. Die Orientierung an örtliche Bauten und lokale Einflüsse und Tradition, sowie finanzielle Möglichkeiten ergeben jedoch oft einen eigenen Charakter mit Architekturzitaten.